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Sammelplatz für alle bisher auf Zwischen den Seiten erschienenen Rezensionen.

Manche Geschichten sind wie Melodien: Die wundersame Geschichte der Faye Archer von Christoph Marzi

Die wundersame Geschichte der Faye Archer - Christoph Marzi

Faye Archer ist neunundzwanzig und lebt ihren ganz eigenen Traum. In Brooklyn, New York, besitzt sie eine kleine Wohnung mit Pünktchensofa und Piano und arbeitet als Buchhändlerin bei Real Books, das von einem modernen New Yorker Shaolin betrieben wird. Und wenn sie keine Geschichten verkauft, dann komponiert und singt sie, und tritt auf als Musikerin.

Nur in der Liebe ist Faye kein wirkliches Glück vergönnt. Doch dann taucht ein Unbekannter im Buchladen auf, und obwohl Faye ihn nicht einmal von Angesicht zu Angesicht sieht, weckt er ihr Interesse mt einem einzigen Satz, der ihr so seltsam vertraut vorkommt: Manche Geschichten sind wie Melodien. Als der Fremde auch noch sein Skizzenbuch im Laden vergisst, tut Faye etwas für sie völlig Untypisches. Sie sucht das Internet nach dem Zeichner ab, und findet ihn letztendlich bei Facebook.

Aus einer einfachen Nachricht entwickelt sich ein reger Austausch zwischen ihr und Alex Hobdon, dem Unbekannten, der schnell ein zartes jedoch seltsam intensives Band entstehen lässt, das die beiden nicht loslässt. Doch die Treffen der beiden stehen unter keinem guten Stern, und es geschieht etwas, das Faye an Alex’ Geschichte zweifeln lässt, denn es erscheint so unglaublich, dass es doch gar nicht wahr sein kann. Oder doch?

 

Die wundersame Geschichte der Faye Archer” ist der neueste Roman aus der Feder des deutschen Autors Christoph Marzi, der unter anderem mit seinen Büchern um die Alte Metropole ( z.B. “Lydicas” ) einen großen Bekannt- und Beliebtheitsgrad erreicht hat.

 

Dem Buchcover gelingt es auf wundervolle Weise, die Atmosphäre von Marzi’s Roman einzufangen. Brooklyn im Herbst. Alte Häuser mit Treppen, die zu den Eingangstüren hinaufführen. Kalte und warme Farben wechseln sich ab, fließen ineinander. Der Winter steht vor der Tür, doch noch kämpft die Herbstsonne um ihren Platz. Und so verhält es sich auch mit der Geschichte um Faye Archer. Wärme und Freude wechseln sich ab mit Zweifeln und Kälte, Traurigkeit und Glücklichsein. Ein Kreislauf der niemals wirklich endet, eingefangen mit Worten auf Papier, um uns daran teilhaben zu lassen.

 

Dann, später am Abend, kam der Herbst über sie, und ihr Herz atmete den Winter, der, kühl und gierig besitzergreifend, eigentlich schon längst bei ihr war.

 

Faye Archer ist 29 Jahre alt, Musikerin aus Leidenschaft und Buchhändlerin. Sie hat ihr Studium abgebrochen und verkauft stattdessen Geschichten und verzaubert Menschen mit ihrer Musik, facettenreich, zart und verspielt. Liedtexte und Melodien fallen ihr bei jeder Gelegenheit ein, ganz plötzlich, wenn sie aus dem Fenster ihrer Wohnung schaut, oder wenn sie in den Straßen ihres New Yorks spazieren geht. Sie führt ein ruhiges Leben, fernab des Trubels, hat eine Vorliebe für alte Dinge. Und Punkte. Denn Punkte “machen das Leben schöner”. Faye erweist sich als facettenreicher, liebenswerter Charakter, versetzt mit wundervollen Macken, die sie noch glaubhafter machen, als sie schon ist.

 

Der komplette Gegenteil zu Faye ist ihre beste Freundin Dana Carter. Ganz die Businessfrau hat sie stets eine ihrer Golden Key Solutions parat, und liebt alles moderne und neue. Und nebenbei hat sie eine Schwäche für George Clooney, und die Angewohnheit jeden Mann zunächst George zu nennen. Dana als Charakter ist ständig präsent, auch wenn sie tatsächlich nur selten direkt in Erscheinung tritt. Denn obwohl die beiden so verschieden sind, ist Dana Fayes beste Freundin und die Person, bei der sie sich -meist über das Telefon, obwohl ihr das Schreiben lieber ist- Rat holt. Für Faye ist Dana bewundernswert. Und Dana scheint sich dessen bewusst zu sein.

 

Und dann ist da Alex Hobdon. Faye spürt im ersten Augenblick, dass Alex anderes ist. Er ist Künstler, zeichnet, will aus “Frühstück bei Tiffany” eine Graphic Novel machen. Hektik und Eile mag er nicht, und genau wie Faye zieht er das Schreiben dem Telefonieren vor, hat man so doch Zeit eine Antwort zu formulieren. Und doch scheint bei Alex nichts so zu sein wie man glaubt. Er ist das große Geheimnis dieses Romans, der Charakter, bei dem Fiktion und Realität miteinander verschmelzen. Oder hat er sich am Ende nur in ein Geflecht aus Lügen verstrickt?

 

Es gibt Momente, die sind so unwirklich, dass man sie einfach nicht begreifen kann, nicht mit dem Verstand, sehr wohl aber mit dem Herzen. Man befindet sich plötzlich mittendrin in diesen Momenten. Sie umgeben einen wie alte Zuckerwatte, klebrig und fies. Und obwohl man diese Augenblicke schon erlebt hat, fühlt man sich wie ein Fremder, aus der Bahn des eigenen Lebens geworfen.

 

Die beiden Hauptcharaktere Faye und Alex dominieren ganz klar die Geschichte, jedoch gelingt es Marzi auch mit seinen Nebencharakteren Persönlichkeiten zu erschaffen, die einem beim Lesen ans Herz wachsen.

 

So ist da zum einen Mica Sagong, der Besitzer des Buchladens in dem Faye arbeitet, seines Zeichens Shaolin, teuflisch gutaussehend aber verschroben. Er blickt mehr als einmal hinter die Fassade und lockt Fayes Gefühle aus ihrem Schneckenhaus hervor, und steht ihr oft mit einem Rat zur Seite. Ein Lehrer, für den alles Karma ist, und ein Freund. Mica ist weise, geduldig und hat doch einen ganz eigenen Sinn für Humor, der mich persönlich mehr als nur einmal zum Lächeln gebracht hat.

 

Doch auch andere Figuren hinterlassen, auch wenn ihr Auftritt nur kurz ist, einen bleibenden Eindruck. So haben sich zum Beispiel die beiden Musikladenbesitzer T.C. und Cricket bereits nach wenigen Zeilen in mein Herz geschlichen.

 

Musik nimmt in “Die wundersame Geschichte der Faye Archer” einen großen Stellenwert ein, ist doch der gesamte Roman angenehm durchzogen von musikalischen Referenzen, und ein simpler Herbsttag wird plötzlich zu einem wundervollen Chanson. Marzi liefert hier einen ganz besonderen Soundtrack zum Buch, der Faye und ihre Gefühle wunderbar einfängt. Manche Geschichten sind eben tatsächlich wie Melodien. Und Marzi’s Roman ist eine einzige Melodie, an der es nichts, aber auch gar nichts auszusetzen gibt.

 

Marzi schreibt leicht, in einem ganz eigenen Ton, der perfekt zur Stimmung des Buches passt. Seine Worte folgen einer ganz eigenen Melodie und verschmelzen zu einem ganz wunderbaren Werk, dass den Leser mitnimmt und nicht mehr loslässt, in dem sich musikalische, künstlerische und literarische Bezüge und Vergleiche finden. Zwar wird Marzi immer wieder mit Neil Gaiman verglichen, und so ganz kommt er an Gaimans Art zu Schreiben nicht heran, gibt es doch letztendlich deutliche Unterschiede, jedoch liegt hier ein Roman vor, der sich nicht verstecken muss. Im Gegenteil.

 

“Bücher haben eine Seele”, pflegte Mica Sagong zu sagen. “Keiner muss die Seele eines Buches suchen. Die Seele des Buches findet den Leser. Das tut sie immer.”

 

Die wundersame Geschichte der Faye Archer” ist ein Buch voller Wortmusik, voller Liebe, voller herbstlicher Wärme, vermischt mit Stürmen und Winterkälte. Ein Buch mit wunderbaren Charakteren, die verzaubern und mitreißen, die man ins Herz schließt, mit denen man lacht, leidet und die wildesten Spekulationen aufstellt. Das perfekte Buch für einen Herbsttag, den man mit Lieblingstee und -decke auf dem Sofa verbringen möchte. Unbedingt lesen.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/09/04/rezension-christoph-marzi-die-wundersame-geschichte-der-faye-archer

Viel verschenktes Potential: Sterneneis von Kristín Marja Baldursdóttir

Sterneneis - Kristín Marja Baldursdóttir, Ursula Giger

Nie hätte sie sich vorstellen können, dass ihr einmal so etwas passiert. Doch nun ist Gunnur einem Raub zum Opfer gefallen. Mitten in der Nacht waren sie gekommen, die Einbrecher, wühlten in ihren Sachen, entwendeten Laptop, Handy, Schmuck und waren sogar in ihrem Schlafzimmer! Eines ist klar: Sie kann nicht hierbleiben, nicht jetzt.

Gunnur beschließt aufs Land zu fahren. Kurz vor ihrer Abreise steht plötzlich eine Bekannte vor ihrer Tür, mit einer Bitte an Gunnur, die eigentlich keine Bitte ist. Und ehe Gunnur einen klaren Gedanken fassen kann, steht sie da, zusammen mit Hugrun, der vierzehnjährigen Tochter ihrer Bekannten, auf die sie die nächsten Tage ein Auge haben soll.

Notgedrungen nimmt Gunnur das Mädchen mit in ihr Sommerhaus. Doch wie verbringen eine Frau in den Fünfzigern und ein Teenager drei Tage in völliger Abgeschiedenheit, wenn Handy, PC und Fernsehen ihren Dienst versagen?

 

Sterneneis” ist das neuste Werk der bekannten isländischen Autorin Kristín Marja Baldursdóttir auf dem deutschen Buchmarkt, und bereits im Jahre 2009 in Island erschienen.

 

Das Buch präsentiert sich mit einem wirklich wunderschönen Cover, das in einem ähnlichen Stil gestaltet ist wie auch die bisherigen deutschen Ausgaben von Kristín Marja Baldursdóttir’s Büchern. Die Aufmachung und der gewählte Titel waren es übrigens auch, die mich auf das Buch aufmerksam gemacht haben.

 

Ich bin relativ unbefangen an das Buch herangegangen, habe mir aber schon ein leicht philosophisch angehauchtes Werk gewünscht, den dazu bietet der gewählte Handlungsrahmen genügend Möglichkeiten.

 

“Wie sehr wünsche ich mir, draußen in der Natur zu sterben, in den grünen und violetten Farben, mit der Zeit langsam in den Boden hinein zu verschwinden, wie die Blätter eines knorrigen Birkenwäldchens.”
(Sterneneis, S. 38)

 

Hauptperson ist Gunnur. Mitten in den Fünfzigern, Psychotherapeutin und kürzlich Opfer eines Einbruchs. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte erzählt, was wohl vor allem dazu dienen soll, dem Leser tiefere Einblicke in Gunnur’s Gefühlswelt zu ermöglichen. So arbeitet sie im Laufe der Zeit im Sommerhaus ihre Kindheitserinnerungen auf, in der sie sich mehr als nur einmal als Ballast, als nur im Weg gefühlt, sie erzählt von ihrer ersten Liebe, ihrem Leben. Gunnur ist ganz klar erwachsen und wirkt doch oft in ihren Gedanken und Handlung sehr kindlich und naiv. Ich kann sie mir schwer als Psychotherapeutin oder starke Frau vorstellen, gerade auch wenn man bedenkt, wie leicht sie sich das Mädchen Hugrun hat aufschwatzen lassen.

 

Hugrun, oder auch “das Reh“, ist eine doch etwas sehr verwöhnte Vierzehnjährige, stammt aus einem wohlhabenden Hause, in dem aber ganz deutlich die familiäre Wärme und Zuneigung zu fehlen scheint. Ihre Mutter hat nur die Arbeit und ihre Liebhaber im Kopf, und so verbringt Hugrun die meiste Zeit alleine, isst vor dem Fernseher, um zumindest das Gefühl von Gesellschaft zu haben. So ist es verständlich, dass sie sich krampfhaft an die gemeinsamen Unternehmungen mit Gunnur klammert.

 

Beide Charaktere haben ihre Schwierigkeiten – mit sich selbst und miteinander -, ihre Eigenarten, und vor allem Hugrun legte Verhaltensweisen an den Tag, die ich durchaus nachvollziehen konnte. Und es ist schließlich nicht einfach, plötzlich mit einer fremden Frau allein zu sein. Mit Gunnur stattdessen konnte ich so gar nicht warm werden, hat sie doch Anwandlungen und Züge, die mehr an einen Teenager erinnern als an eine Erwachsene, und schon gar nicht an eine Psychologin. Gunnur ist in meinen Augen sehr naiv, störrisch und ungemein kindisch.

 

Zusätzlich geschürt wurde meine Abneigung gegen Gunnur wohl auch dadurch, dass sie als Ich-Erzählerin fungiert. Baldursdóttir scheint mit “Sterneneis” in meinen Augen recht deutlich die Geschichte ihrer Gunnur, die, anhand der Rückblicke, gleichzeitig eine Geschichte über die Frau in Island an sich ist, erzählen zu wollen. Doch was bringt ein Buch, das sich mit der Entwicklung eines Charakters auseinandersetzt, man aber nicht mit der Person warm wird, sich nicht mit ihr identifizieren kann?

 

Nichtsdestotrotz, das Buch hebt sich stilistisch gesehen von anderen Werken ab, vor allem wohl auch, weil die Autorin keine wörtliche Rede verwendet, und stattdessen die Dialoge fließend im Text verarbeitet. So verwischen die Grenzen zwischen Gesprochenem und Gedachtem, was deutlich zur Atmosphäre des Buches beiträgt.

 

Zusätzlich werden dem Leser Einblicke ins Land und ins Leben der Isländer gewährt, und einige Szenen im Buch sind so wundervoll formuliert, dass sie einem auch nach dem Lesen noch in Erinnerung bleiben.

 

“Es kommt mit der Dunkelheit. Die Sterne und der Mond, das Verlangen und die Sehnsucht. Verborgene Wesen treten aus den Felsen hervor, tauchen aus der Lava auf, eilen zum Weiher hinunter, wo der Reigen getanzt wird. Das Gedächtnis verliert jegliches Zeitgefühl, glaubt, um Jahrzehnte jünger zu sein, fleigt in die Phantasie hinein.”
(Sterneneis, S. 152)

 

Bei “Sterneneis” handelt es sich um eine im Ansatz gute Idee, die aber unter einer Hauptperson zu leiden hat, die es einem schwer macht sie als sympathisch oder glaubwürdig zu empfinden. Wunderschöne Formulierungen und Landschaftsbeschreibungen brachten aber zumindest mich dazu, dem Buch bis zum Ende treu zu bleiben. Eine ungeschränkte Empfehlung kann und will ich nicht geben.

 

Sterneneis” und seine Charaktere wirken wahrscheinlich auf jeden Leser anders, jeder bringt eigene Empfindungen mit hinein in diese Geschichte – die eigentliche Gesamtwirkung von Baldursdóttir’s Konstrukt wird also bei jedem eine andere sein.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2011/12/06/rezension-kristin-marja-baldursdottir-sterneneis

Love is a disease: Delirium von Lauren Oliver

Delirium  - Lauren Oliver

Früher glaubten die Menschen, die Liebe wäre etwas Gutes, etwas Wunderbares. Sie verstanden nicht, dass die Liebe – Amor Deliria Nervosa – eine Krankheit ist, und verantwortlich für viele Leiden und Kriege. Doch nun ist es Wissenschaftlern gelungen ein Heilmittel zu finden…

Die siebzehnjährige Lena Holoway lebt in Portland, USA, umgeben von Zäunen und abgeschottet von allen Gefahren, die sich außerhalb der von der Regierung kontrollierten Gebieten befinden. Sie vertraut der Regierung und fiebert ihrer Heilung entgegen, weiß sie doch, was die Krankheit Liebe anrichten kann. Doch die Regierung erlaubt eine Heilung erst ab 18 Jahren, um Komplikationen auszuschließen.

Doch dann lernt Lena Alex kennen. Und während sie Gefühle für Alex entwickelt, beginnt Lena langsam das System, von dem sie jahrelang überzeugt war, zu hinterfragen…

 

Bei “Delirium” handelt es sich um den Auftakt einer neuen dystopischen Romanreihe aus der Feder von Lauren Oliver, die einigen wohl bereits aufgrund ihres Romans “Before I Fall” (dt. “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“) bekannt ist.

 

Die Idee eines Regierungssystems, dass das Leben der Menschen kontrolliert, ist natürlich die wichtigste Grundlage einer Dystopie, und daher auch nicht sonderlich neu. So macht Portland, Lenas Heimat, den Eindruck eines Überwachungsstaates. Alles wird überprüft und geregelt, Telefonate und Internetnutzung werden überwacht, es gibt Ausgangssperren, Medien wie Bücher und Musik werden strengstens kontrolliert. Mögliche Ehepartner werden durch das System ausgewählt, und selbst die Anzahl der Kinder pro Ehepaar wird festgesetzt. Eine Welt, in der die Liebe als gefährliche Krankheit gilt, und Shakespeares “Romeo und Julia” dazu dient, die Gefahren der Amor Deliria Nervosa aufzuzeigen – eine Krankheit, so schwerwiegend, dass Menschen dafür freiwillig in den Tod gehen.

 

Lena ist überzeugt von der Richtigkeit des Heilmittels, hat Angst davor, die Krankheit zu bekommen, bevor ihre Heilung erfolgt. Wie alle kennt sie die Geschichten von Mädchen, die lieber Selbstmord begehen statt sich der Operation zu unterziehen, doch schließlich ist ja die Deliria Schuld an diesem Verhalten. Oder? Ihre Mutter, die den Tod vorzog statt sich zum vierten Mal der Heilung zu unterziehen, zeigt Lena immer wieder auf, wie gefährlich die Liebe doch eigentlich ist und unterstreicht ihr Vorhaben, sich unbedingt heilen lassen zu wollen.

 

Als Charakter ist Lena wunderbar sympathisch und glaubhaft. Sie hält sich keineswegs für eine Schönheit, ist schusselig, unscheinbar und schüchtern und somit froh, dass ihr die Partnerwahl vom System erleichtert wird (“At least I’ll end up with somebody.”). Das völlige Gegenstück also zu ihrer besten Freundin Hana: offen, furchtlos, unabhängig und ein klein wenig rebellisch.

 

Doch dann begegnet ihr Alex. Alex, der Gefühle in Lena weckt, die ihr Angst machen sollten. Stattdessen gibt sie ihnen nach, bricht ganz klar die Regeln des Systems, als sie sich mit ihm trifft, vor allem nachdem er ihr ein Geheimnis über sich offenbart, das Lena in große Gefahr bringen könnte. Und doch kann und will sie sich ihm nicht entziehen. Und Alex als Charakter ist einfach auch unwiderstehlich gut in Szene gesetzt worden.

 

Die aufkeimende Beziehung zwischen Alex und Lena verläuft sehr zart und langsam. Es gibt einige ganz wundervolle Szenen zwischen den beiden, und ganz besonders die eine Episode in der Hütte – mehr verrate ich dazu nicht – hat es mir angetan. In meinen Augen ist es genau dieser Moment, in dem Lena wirklich erkennt, was sie da die ganze Zeit fühlt. Und obwohl man diese Szene durchaus als Klischee bezeichnen könnte, ist sie einfach nur schön.

 

“They told us that love was a disease. They told us it would kill us in the end. For the very first time I realize that this [...] might be a lie.”

 

Delirium” erweist sich als sehr charakterorientiert, besonders zu Beginn der Geschichte. Der ruhige Ton wird in der zweiten Hälfte des Buches in gewisser Weise abgelöst, denn die Handlung wird um einiges fesselnder; deutlich ist der Ring zu spüren, der sich immer enger um Lena und Alex zusammenzieht. Lauren Olivers Schreibstil fesselt von der ersten bis zur letzen Seite, treibt einem aufgrund seiner einfachen Schönheit mehr als einmal Tränen in die Augen.

 

Mit “Delirium” ist Lauren Oliver ein mehr als gelungener Start für ihre neue Romanreihe gelungen (der zweite Teil “Pandemonium” erscheint Ende Februar 2012). Eine Geschichte voller Liebe und Verlust, voller Grenzen und neuer Möglichkeiten, wunderschön und erschreckend zugleich. Ein Buch, das einen zunächst langsam und dann immer mehr fesselt, und den Leser zum Schluss mit Schrecken auf die letzten Zeilen starren lässt. Unbedingt lesen!

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2012/11/23/rezension-lauren-oliver-delirium

Ein brilliantes Debüt: Clean von Alex Hughes

[Clean: A Mindspace Investigations Novel] [by: Alex Hughes] - Alex Hughes

I used to work for the Telepath’s Guild before they kicked me out for a drug habit that wasn’t entirely my fault. Now I work for the cops, helping Homicide Detective Isabella Cherabino put killers behind bars. My ability to get inside the twisted minds of suspects makes me the best interrogator in the department. But the normals keep me on a short leash. When the Tech Wars ripped the world apart, the Guild stepped up to save it. But they had to get scary to do it—real scary. Now the cops don’t trust the telepaths, the Guild doesn’t trust me, a serial killer is stalking the city—and I’m aching for a fix. But I need to solve this case. Fast. I’ve just had a vision of the future: I’m the next to die. (Inhaltsangabe von goodreads)

 

Clean” war eine Empfehlung die ich über Goodreads bekommen habe und ist nicht nur der Debütroman von Alex Hughes, sondern auch Auftakt einer mehrteiligen Reihe, in deren Rahmen inzwischen eine Kurzgeschichte als Ebook sowie der zweite Band in Buchform erschienen sind.

 

Die Idee, die hinter “Clean” steckt, hat mich von der ersten Seite an begeistert, auch wenn ich einige Zeit brauchte, um mich in die Geschichte hineinzufinden. Eine futuristische Welt, jedoch geprägt durch die sogenannten Tech Wars, in denen die moderne Technik unter anderem zur Ermordung von Menschen genutzt wurde. Nun gibt es außer schwebenden Autos kaum etwas, das den Eindruck von “Zukunft” erweckt. Wenn man denn von künstlichen Organen einmal absieht.

 

Der Telepath, der hier als Hauptcharakter fungiert (und dessen Name nicht genannt wird), wird immer noch von seiner Drogenvergangenheit verfolgt und dennoch, selbst nach Rückfällen, vertraut ihm Detective Cherabino, seine “Kollegin” bei der Polizei. Beide Charaktere wachsen schnell ans Herz, und selbst Cherabino bekommt dank der telepathischen Fähigkeiten unseres Helden, einiges an Tiefe verliehen.

 

Nebenbei wird der geneigte Sherlock-Holmes-Fan einige Gemeinsamkeiten entdecken, die mir persönlich das Lesen nur noch versüßt haben. So hat der Hauptcharakter nicht nur ein Drogenproblem, er arbeitet auch als Consultant für die Polizei.

 

At least now I wasn’t craving my poison so bad. Distraction was a great trick, one of the first ones they teach you in the program. If I was going to see a crime scene, there would be plenty more distraction – even if it was stuff I’d rather not see.

 

Clean” bietet eine interessante Idee, die gelungen umgesetzt wurde und dank Hughes Schreibstil weder langatmig noch öde erscheint. Gut durchdachte Charaktere, glaubhaft und facettenreich, und die Jagd nach einem Serienmörder halten den Leser in Atem und trösten über den vielleicht etwas schwierigen Einstieg hinweg. Lesenswert.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/08/27/shortview-schneller-als-der-tod-clean

Rasant und einzigartig: Schneller als der Tod von Josh Bazell

Schneller als der Tod - Josh Bazell

Pietro ist clever und smart und war Killer für die New Yorker Mafia. Er stieg aus und glaubt sich sicher – er ist erstens im Zeugenschutzprogramm und zweitens Arzt in einem Krankenhaus. Bis einer der alten Feinde eingeliefert wird. Diagnose: Krebs im Endstadium. Wenn er stirbt, ist Pietro geliefert. Die nächsten acht Stunden im Tollhaus der Klinik werden zum atemlosen Wettkampf um sein Leben…und um das seiner Patienten. (Inhaltsangabe von Verlag)

 

Josh Bazells Debütroman ist speziell, anders, originell und rasant. Und einfach absolut lesenswert. Die Geschichte bewegt sich unglaublich schnell, wobei nach und nach die Vergangenheit Pietros aufgerollt wird, während es in der Gegenwart Peter Brown (Pietros neuer Name) so langsam aber sicher an den Kragen geht.

 

Bazells Schreibstil ist klar und simpel, ohne zusätzliche Schnörkel, und passt daher perfekt zu dieser actiongeladenen und niemals langweiligen Geschichte. Und zu seinem ironisch, ja teilweise sogar reichlich zynischem Hauptcharakter. Pietro selbst ist hierbei keineswegs der gefühlskalte Killer, im Gegenteil. Er hatte seine Gründe überhaupt zur Mafia Kontakt aufzunehmen und hinterfragt zumindest die Morde, die er im Auftrag seines quasi schon Ziehvaters begeht. Und nebenbei gelingt es dem Autor auch noch, das amerikanische Gesundheitssystem dezent zu kritisieren.

 

Einziges Manko, an dem sich der eine oder andere Leser stören könnte, sind die für einen Roman ziemlich häufig vorhandenen Fußnoten. Meiner Meinung nach hindern diese den eigentlichen Lesefluss nicht und reihen sich ohne große Schwierigkeiten in den eigentlichen Fluss der Story ein.

 

Schneller als der Tod” war ein reiner Coverkauf, der sich aber mehr als nur gelohnt hat. Wer einmal Lust auf einen Mafiaroman der etwas anderen Art hat, dem sei dieses Buch mehr als nur ans Herz gelegt, denn etwas Vergleichbares findet sich nicht so leicht.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/08/27/shortview-schneller-als-der-tod-clean

Love soars: Skybound von Aleksandr Voinov

Skybound - Aleksandr Voinov

Deutschland, 1945. Das Dritte Reich steht kurz vor dem Fall. Doch auf einem Flugplatz in der Nähe von Berlin ist der Krieg alles andere als vorbei für den jungen Mechaniker Felix, der einem Schwadron Kampfpiloten zugeteilt ist. Besonders Baldur Vogt hat es ihm angetan, ein meisterhafter Pilot, den Felix heimlich verehrt.

Als Baldur einen Einsatz nur knapp überlebt, vollführt der Pilot ein mehr als riskantes Manöver. Er nimmt sich ein paar wenige Tage frei, um sich zu erholen. Und Felix soll ihn begleiten. Fern vom ständigen Druck und ihren Pflichten entspinnt sich eine Beziehung zwischen den beiden Männern. Doch selbst die Liebe kann nichts daran ändern, dass die Welt wie Baldur und Felix sie kannten, kurz vor dem Zerfall steht, und sie ihre Pflicht erfüllen müssen.

Schon bald geht Baldur wieder seinem Beruf und seiner Berufung nach, während Felix seine Arbeit verrichtet und für Baldurs Überleben betet. Doch die Alliierten kommen gefährlich nah, und Baldur stellt mit Erschrecken fest, dass er nicht der einzige ist, der sich in Lebensgefahr befindet…

 

Skybound” ist eine Kurzgeschichte aus der Feder von Alexsandr Voinov, der unter anderem für seine “Dark Soul” Reihe bekannt ist und schon seit vielen Jahren Romane und Kurzgeschichten in den verschiedensten Genre verfasst.

 

Um ehrlich zu sein lese ich kaum Geschichten die in der Zeit um den 2. Weltkrieg spielen. Daher brauchte es auch eine Weile, bis ich mich endlich dazu entschieden habe, dieses Buch zu lesen, und unter anderem die doch guten Kritiken sowie einige Zitate aus dem Buch haben zu der Entscheidung beigetragen, das Buch zu kaufen und zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

 

Skybound” ist eine wundervolle Geschichte. Jedes Wort das der Autor zu Papier gebracht hat wirkt wie ein Zauber, zieht den Leser tiefer und tiefer in die Geschehnisse um Baldur und Felix hinein, wohl wissend, was am Ende des Krieges geschehen wird. Nicht umsonst fällt einige Male die Bezeichung Ragnarök oder auch “das Ende der Welt”.

 

Felix ist Mechaniker. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute sorgt er dafür, dass die Flugzeuge einsatzbereit sind, wenn die Piloten einen neuen Angriff auf die Bomber der Alliierten starten. Tagein, tagaus bangt Felix um das Leben von Baldur Vogt. Alles andere wird unwichtig, alles dreht sich um die sichere Rückkehr seines Piloten. Selbst das Zählen der Flieger die zurück kehren vergisst Felix, wenn Baldur’s Geschwader landet.

 

Hoffnung, dass der Pilot ihn auch nur bemerkt hat Felix nicht. Er veehrt Baldur aus der Ferne. Mehr kann er sich nicht erlauben, nicht in diesen Zeiten. Die Lücke zwischen ihnen, zwischen Pilot und Mechaniker, ist zu groß, nahezu unüberwindbar.

 

“I sit, smoking, my head against the cool comfort of the fighter’s plane wheel, its wing shielding but never embracing me. I’m a cold nestling tonight.”

 

Alles scheint sich zu ändern, als Baldur Felix eines Tages bei einer Zigarette Gesellschaft leistet. Ein feines, dünnes Band scheint sich zu knüpfen, dass sich nur noch vertieft, als der Pilot nur knapp dem Tod von der Schippe springt.

 

Man mag es ahnen, ja, fast schon erwarten, aber dennoch gelingt es Voinov, die Liebe zwischen den beiden Männern, die zunächst doch auch eher wie Leidenschaft und Neugier erscheint, auf wunderbare Weise mit Worten zu beschreiben. Die Magie der Worte nutzt der Autor hier in vollem Maße.

 

Skybound” wirkt weder kitschig noch unglaubwürdig. Denn was ist unglaubwürdig an zwei Menschen, die sich inmitten des Zerfalls der ihnen bekannten Welt zueinander hingezogen fühlen, wie die Motten vom Licht?

 

“I’ve never felt so at peace with anybody, and while I’m bone-weary, I’m alive with him here, our bodies touching with so much ease, so much trust and familiarty. We don’t know each other, but I know we’re not judging one another, not making any demands, just enjoying the moment.”

 

Trotz der geringen Seitenzahl schafft es der Autor, seinen beiden Charakteren Leben einzuhauchen. Vor allem Felix, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, wächst ans Herz. Von Baldur erfährt der Leser weniger, doch das ist unwichtig und mindert den Zauber der Geschichte keineswegs. Beide Figuren behalten einige Geheimnisse für sich, und das finde ich persönlich sogar gut so. Denn innerhalb der Handlung wäre kein Platz gewesen für ellenlange Erzählungen über die Vergangenheit.

 

“We race towards something so amazing and precious it strikes me dumb with its immenseness. I lose every sense of myself, every thought; there’s just emotion and utter fulfilment.”

 

Skybound” ist eine wundervolle Geschichte, die fesselt, und nicht mehr los lässt. Jede einzelne Zeile, jeder Satz, jedes Wort ist ein Geschenk. Dieses Buch ist definitiv einen Blick wert und ein Werk, das man einfach mehrmals lesen muss.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/04/18/rezension-aleksandr-voinov-skybound

Faszinierend und fesselnd: Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte von Hermann Stefánsson

Guðjón Ólafssons Zeitreise Als Laborratte - Hermann Stefánsson, Richard Kölbl

Der Schriftsteller Guðjón Ólafsson wacht im Krankenhaus auf, ohne Sprache und ohne Erinnerung daran, wie und warum er dorthin gekommen ist. Sein Vater hilft ihm, den Weg zurück in die Wirklichkeit zu finden, doch um welche Wirklichkeit geht es eigentlich?

Allmählich gewinnt Guðjón seine Sprache wieder und findet heraus, dass Helena, die ihm sein Vater als seine Freundin vorstellt, und er am europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz einem durch Medikamente unterstützten Experiment unterzogen worden sind, bei dem es um Zeitreisen in die Vergangenheit ging…

 

“Die Versuche des Menschen, die Welt um sich herum zu verstehen, ist eine der wenigen Dinge, die das Leben aus der Flachheit der Farce zu tragischen Höhen emporhebt.”
- Steven Weinberg -

 

Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” von Hermann Stefánsson erschien in Island bereits im Jahre 2008, und hat nun endlich auch den Weg auf den deutschen Buchmarkt gefunden.

 

Ich hatte von Beginn an sehr große Erwartungen an dieses Buch gestellt. Zum einen hat mich bereits der Titel angesprochen, zum anderen natürlich die Erwähnung von CERN. Wenn man, wie ich, selbst eher im Forschungslabor zu Hause ist, dann erscheint ein solches Buch fast schon wie ein Geschenk des Himmels.

 

Im Vergleich zu anderen aktuellen Veröffentlichungen ist das Cover von “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” eher schlicht gehalten, aber meiner Meinung nach würde Stefánssons Werk allein aus diesem Grund in einer Buchhandlung auffallen, denn dezent in Grautönen gehaltene Cover sind heutzutage schon eher eine Seltenheit.

 

Von der ersten Zeile an zieht einen Steffánssons Werk in seinen Bann. Es ist wunderschön zu lesen, bietet wundervolle Formulierungen, ist mal einfach gehalten, und dann plötzlich wieder hoch philosophisch und wissenschaftlich.

 

“Weiße Welt stürzt ihm ins Bewusstsein, konfus und fremd. Fragmentarisches Erkennen, verschwommene Grenzen zwischen dem einen Gedanken und dem nächsten.”

 

Es gelingt dem Autor Guðjóns Verwirrtheit direkt nach dem Aufwachen auf faszinierende Weise sprachlich darzustellen. Verdrehte Worte und Buchstaben wechseln sich mit zusammenhanglosen Gedankenfetzen ab, und lassen es dem Leser ähnlich ergehen wie der eigentlichen Hauptperson.

 

Guðjóns als Charakter erweist sich als ungemein faszinierend, ist er sich doch seiner eigenen Identität oft selbst nicht sicher. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wird, sind sowohl sein Langzeit- als auch sein Kurzzeitgedächtnis schwer angegriffen. Er vergisst viele Dinge sofort wieder, stellt ständig die selben Fragen, die ihm sein Vater immer wieder beantworten muss. Vor dieser Vaterfigur hatte ich von der ersten Minute an großen Respekt, stellt er sich doch dieser ungemein schweren Aufgaben, die alles an Geduld und Gemütsruhe fordert, die ein Mensch aufweisen kann.

 

Wechsel zwischen Ich- und Er-Perspektive zeigen zusätzlich als sprachliche Mittel Guðjóns Schwierigkeiten in Sachen Identitätsfindung auf. Er leidet an Flashbacks; macht oft keinen Unterschied zwischen sich selbst und erfundenen oder historischen Persönlichkeiten, in deren Leben er während seiner Anfälle (Ausfälle?) er episodenhaft Einblick gewinnt.

 

Neben Guðjón fungiert Helena ebenfalls als wichtiger Charakter, der immer mehr Raum einnimmt und Guðjón zeitweise als Erzähler ablöst. Im Gegensatz zum ihm wirkt sie normal, ihre Textpassagen unterscheiden sich deutlich von Guðjóns, sind klarer, direkter und weniger verworren gehalten. Doch bald schon ereignen sich auch in ihrem Leben Dinge, die Fragen aufwerfen – bei ihr und beim Leser.

 

Und Fragen stellt sich der Leser bei diesem Roman wohl ständig. Was ist real? Was ist Fiktion? Handelt es sich bei dieser oder jener Szene um etwas, das tatsächlich in der realen Welt geschieht, oder doch nur um eine von Gudjons Episoden? Nach und nach kommt Licht ins Dunkel. Das Voynich-Manuskript, Schrödingers Katze als Symbol für einen zeitlosen Wahrscheinlichkeitsraum, Quantenmechanik, Teilchen – all dies beginnt sich zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

 

“Traum und Wirklichkeit sind eins geworden, die Zeit legt sich quer, schließlich aber verläuft sie sich.”

 

Hermann Stefánsson hat mit “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” einen Roman geschaffen, der sich an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Amnesie und den Gesetzmäßigkeiten der kleinsten Teilchen der materiellen Welt orientiert, und daraus eine Geschichte formt, die so anders ist, so besonders, so faszinierend, das es kaum passende Worte zu geben scheint, um dieses Werk wirklich gebührend zu würdigen. Kein einfacher Roman, aber in meinen Augen ein wahrer Diamant, der all jene, die sich die Zeit nehmen um in Guðjóns Welt einzutauchen, mit auf eine unvergessliche Reise nimmt.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2011/10/23/rezension-hermann-stefansson-gudjon-olafssons-zeitreise-als-laborratte

DAS Buch schlechthin: Me Before You (Ein ganzes halbes Jahr) von Jojo Moyes

Me Before You - Jojo Moyes

Louisa Clark ist 26 Jahre alt und führt ein durchschnittliches Leben in einer englischen Kleinstadt nahe London. Sie hat einen Job in einem Café, lebt zusammen mit ihren Eltern, ihrem Großvater, ihrer Schwester und deren Sohn in einem Häuschen, das gerade genug Platz für alle bietet. Ihr Leben besteht aus Familie, Job und ihrem Freund, und eigentlich ist sie damit ganz zufrieden. Auch wenn sie durch ihren etwas ungewöhnlichen Kleidungsstil ein wenig aus der Masse heraussticht.

Doch dann verliert Lou ihren Job. Verzweifelt sucht sie nach einer neuen Anstellung um ihren Eltern wieder finanziell unter die Arme greifen zu können, und bekommt sogar das Angebot als “Tänzerin” zu arbeiten. Natürlich kommt das bei aller Geldnot für Lou nicht in Frage. Aber dann bekommt sie die Chance als Hilfskraft für Will Traynor zu arbeiten.

Will Traynor war jung, erfolgreich, ein Draufgänger, der sein Leben genoß und seine Arbeit liebte. Bis ein Unfall an ihn an den Rollstuhl gefesselt. Gelähmt von der Brust an abwärts ist Will auf die Hilfe anderer angewiesen. Er ist depressiv, launisch, verletzend in seiner Art mit anderen Menschen umzugehen – doch Lou weigert sich von Beginn an ihn mit Samthandschuhen anzufassen.

Zusammen bauen die beiden ein Miteinander auf, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und schon bald bedeutet Lou Wills Glück mehr als sie jemals erwartet hätte. Und als sie von Wills schockierenden Plänen erfährt, beginnt sie zu begreifen warum sie nur für ein halbes Jahr eingestellt wurde…

 

Me Before You” ist der aktuelle Roman der erfolgreichen US-amerikanischen Autorin Jojo Moyes, der nun auch im Deutschen unter dem Titel “Ein ganzes halbes Jahr” erschienen ist.

 

Ich habe noch nie ein Buch von dieser Autorin gelesen, doch die Begeisterung über das Buch und die gewisse Tragik, die allein schon durch den simplen Klappentext hindurch scheint, haben dann doch mein Interesse geweckt.

 

Jojo Moyes Schreibstil fesselt von der ersten Zeile an. Sie beginnt die Geschichte aus Wills Sicht zu erzählen, wechselt dann aber zu Louisa, die somit nicht nur als Hauptperson sondern auch als Erzählerin fungiert. Lou war mir von der ersten Zeile an unglaublich sympathisch. Eine normale Mitzwanzigerin, die noch nie wirklich aus ihrer Heimatstadt herausgekommen ist, die ihre Eltern liebt, und sich mit ihrer Schwester streitet und wieder verträgt. Wunderbar normal.

 

Gemeinsam mit Lou macht der Leser die Bekanntschaft von Will, und bekommt hautnah mit wie viele Sorgen sich die junge Frau eigentlich um diesen neuen Job als “Pflegerin” macht, denn auch ihre Eltern glauben nicht dass sie der Aufgabe sich um einen “Behinderten” zu kümmern überhaupt gewachsen ist. Und Will scheint Lous Hilfe auch gar nicht zu wollen.

 

“I started to hate him and I’m sure he knew it.”

 

Wills Leben besteht aus einem täglichen Kampf mit sich selbst. Er ist auf die Hilfe seines Krankenpflegers Nathan angewiesen, und er hasst diese Abhängigkeit und die Unfähigkeit etwas selbst zu tun zutiefst, war er doch früher ständig unterwegs und auch Adrenalinkicks nicht abgeneigt. Nun sitzt er im Rollstuhl, braucht Hilfe beim Essen, Anziehen, bei der Fortbewegung. Er nimmt Tabletten gegen Krämpfe, für seinen Blutdruck, für den Magen, für besseren Schlaf, gegen Schmerzen, kann seine Körpertemperatur nicht mehr selbst kontrollieren. Doch was er auf keinen Fall will ist Mitleid.

 

“I wanted to feel sorry for him. I really did. I thought he was the saddest person I had ever met, in those moments when I glimpsed him staring out the window. And as the days went by and I realized that his condition was not just a matter of being stuck in that chair, of the loss of physical freedom, but a never-ending litany of indignities and health problems, of risks and discomforts, I decided that if I were Will, I would probably be pretty miserable too. But oh Lord, ge was vile to me.”

 

So unterschiedlich beide Charaktere doch sind, nicht nur in ihrer Art, sondern allein auch von ihrem Umfeld her in dem sie aufgewachsen sind, finden sie, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, ihren ganz eigenen Weg miteinander zurechtzukommen. Wortgefechte werden zum Zeitvertreib, und haben mich mehr als einmal zum Lachen gebracht. Doch die beklemmende Tragik des Entschlusses, den Will für sich gefasst hat, ist immer präsent und wird dem Leser stets wieder in Erinnerung gerufen.

 

Dank einander machen die beiden neue Erfahrungen, überdenken vieles und finden immer mehr auf ihrer ganz eigenen Ebene zueinander. Gemeinsam mit Lou erleben wir die Erfolge sowie Niederlagen ihrer Mission, Wills Entschluss zu ändern. Wir schöpfen Hoffnung. Wir verlieren sie. Wir finden sie wieder.

 

Auch wenn Lou ganz klar die Haupterzählerin des Buches ist, so kommen auch die anderen Personen zu Wort und haben die Chance, die Geschichte und die Geschehnisse von ihrem Blickpunkt aus zu erzählen. Besonders Wills Mutter (“She made my own mother look like Ozzy Osbourne.”) hat sich mir so in einem völlig anderen Licht gezeigt und hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Doch auch Nathan, den Lou sehr treffend als “armored vehicle in human form” beschreibt, ist ein wunderbarer Charakter, der sich von Lous Plänen und Hoffnung zwar anstecken lässt, jedoch nicht gänzlich vom Erfolg überzeugt ist.

 

Es fällt schwer über dieses Buch zu schreiben, ohne nicht doch aus Versehen zu viel zu verraten, auch wenn ich glaube dass viele Leser den Ausgang der Geschichte bereits erahnen, bevor sie überhaupt beginnen zu lesen.

 

Me Before You” brachte meine Gefühlswelt Seite um Seite durcheinander. Ich lachte. Laut und aus der Tiefe meines Herzens. Ich weinte. Still und leise, nur um in der nächsten Minute wieder in Gelächter auszubrechen. Ich ziehe meinen Hut vor Jojo Moyes, denn um bei mir tatsächlich einen solchen Rausch an verschiedensten Gefühlen auszulösen braucht es so einiges. “Me Before You” hat dies alles. Charaktere die wunderbar echt wirken sodass man sie von Anfang an ins Herz schließen muss. Eine Geschichte die bewegt, die einen nicht mehr loslässt, selbst wenn man das Buch schon längst ausgelesen hat. Ein Buch das einen zum Nachdenken anregt, zum Lachen bringt, und zu Tränen rührt. Und ganz ehrlich, was will man mehr?

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/05/15/rezension-jojo-moyes-me-before-you-dt-ein-ganzes-halbes-jahr

Aschenputtel einmal anders: Cinder (Wie Monde so silbern) von Marissa Meyer

The Lunar Chronicles: Cinder - Marissa Meyer

Cinder lebt zusammen mit ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern in New Beijing. Zwischen Menschen und Androiden geht Cinder ihrer Arbeit als eine der besten Mechanikerinnen der Stadt nach und erwirtschaftet damit den Lebensunterhalt für ihre “Familie”, wird jedoch keinesfalls von allen akzeptiert. Denn Cinder ist ein Cyborg und gilt damit bei vielen nicht einmal als vollwertiger Mensch. Einzig ihre jüngere Stiefschwester Peony scheint sich nicht an Cinders metallener Hand und Bein zu stören.

Doch dann erkrankt Peony an Letumosis, einer unheilbaren und hochansteckenden Krankheit und Cinder befindet sich plötzlich im Zentrum der wissenschaftlichen Forschung nach einem Gegenmittel wieder – als freiwillige Testperson.

Und dann ist da natürlich noch Prinz Kai, der zukünftige Thronerbe von New Beijing, der einen seiner Androiden in Cinders Obhut gegeben hat und dem jungen Mädchen auch so häufiger über den Weg zu laufen scheint.

Schon bald findet sich Cinder in einem wahren Wirbelwind wieder, der ihr gesamtes bisheriges Leben gehörig durcheinander bringt.

 

Cinder” ist nicht nur der erste Teil einer auf bisher 4 Bände ausgelegten Reihe “Lunar Chronicles“, sondern auch der Debütroman der amerikanischen Autorin Marissa Meyer. Die deutsche Ausgabe des Buches erscheint Ende 2013 unter dem Titel “Wie Monde so silbern” bei Carlsen.

 

Cinder” hat mich von der ersten Seite an sofort in seinen Bann gezogen. Normalerweise stehe ich Neuadaptionen von klassischen Märchen teilweise doch eher skeptisch gegenüber, denn oftmals geht ein solches Vorhaben nach hinten los, aber allein schon die Tatsache dass es sich bei Cinder um einen Cyborg handelt hat in diesem Fall mein Interesse geweckt. Der restliche Plot tat dann sein Übliches.

 

Mit Cinder stellt uns Marissa Meyer eine durch und durch sympathische Protagonistin zur Seite, ihres Zeichens Cyborg. Ihr Körper ist mit Kabeln durchzogen, einige Gliedmaßen bestehen aus Metall, eine Software läuft im Einklang mit ihrem restlichen Denken. Cinder kann weder Tränen vergießen noch erröten, besitzt jedoch einen eingebauten Lügendetektor und kann sich mit dem Nachrichten- und Informationsnetzwerk New Beijings verbinden. Sie ist weder komplett menschlich noch ein reiner Androide, und genau diesen Status als “Mensch zweiter Klasse” bekommt sie tagtäglich zu spüren. Zumindest seitens derer die wissen, dass es sich bei der überaus talentierten Mechanikerin um einen Cyborg handelt, denn normalerweise ist Cinder sehr darauf bedacht, ihre metallenen Körperteile bestmöglichst zu verbergen.

 

Auf den ersten Blick scheint Cinder eine gewisse Freiheit zu genießen, schließlich ist es ihr erlaubt als Mechanikerin Geld zu verdienen. Doch dieser erste positive Eindruck verflüchtigt sich schon nach sehr kurzer Zeit. Denn Cinder gehört ihrer Stiefmutter Adri, die als Cinders Erziehungsberechtigte fungiert und das Mädchen arbeiten lässt, um den Lebensunterhalt aller zu finanzieren. Inklusive teurer Ballkleider, versteht sich.

Hier versteckt sich auch eine deutliche Gemeinsamkeit zum eigentlichen Märchen, das als Vorlage für Cinder dient. Ganz traditionell in eine typische Aschenputtelthematik verpackt ist Cinder das Mädchen für alles, und kann sich doch selbst nichts von ihrem hart verdienten Geld gönnen. Wenn man denn von einem neuen Fuß absieht.

 

Geschickt verwebt Meyer die klassischen Elemente des Aschenputtel-Märchens mit ihrer eigenen, modernen Welt und Geschichte. So ist auch hier ein Ball das große Thema für Adri und ihre beiden Töchter. Ein Ball, zu dem Cinder nicht gehen darf, und eigentlich auch nicht möchte. Bis sie Prinz Kai kennenlernt.

 

Kai, eigentlich Kaito, ist der Prinz und zukünftige Herrscher von New Beijing und dem Eastern Commonwealth. Er ist charmant und trotz seiner Stellung keinesfalls eingebildet oder gar egoistisch. Der Mädchenschwarm sucht verzweifelt nach einem Heilmittel für die Letumosis-Krankheit, die ihm bereits die Mutter nahm und nun den Vater befallen hat. Nebenbei versucht er eine Möglichkeit zu finden, einer Allianz mit Königin Levana von Luna aus dem Weg zu gehen.

 

Meyer gelingt es, ihre Charaktere ungemein glaubhaft darzustellen, und ihnen Leben und Persönlichkeit einzuhauchen. Die Gespräche und amüsanten Wortgefechte zwischen Cinder und Kai haben mich mehr als nur einmal breit lächeln lassen, und ganz besonders positiv sticht hervor, dass es sich hier nicht um die typische Liebe auf den ersten Blick handelt, die so vielen Young Adult Romanen heutzutage zu Grunde liegt. Im Gegenteil. Die beiden Hauptpersonen mögen sich, Kai flirtet und Cinder findet ihn interessant, aber sie verlieben sich nicht Hals über Kopf. Ein absolutes Plus.

 

Und auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen. Zum einen wäre da die mysteriöse Königin Levana, eine grausame Frau mit geheimnisvollen Kräften, die es ihr ermöglichen die Wahrnehmung Anderer zu kontrollieren. Zum anderen Dr. Erland, der im Auftrag des Prinzen nach einem Letumosis-Gegenmittel forscht. Bei beiden handelt es sich um interessante Charaktere mit Potential, deren Geschichte nach und nach enthüllt wird. Unsterblich verliebt habe ich mich ebenfalls in Cinders Androiden Iko, ein kleines, freches Maschinchen mit einer Schwäche für schöne Dinge und einer ganz außergewöhnlichen Persönlichkeit.

 

Einzig Cinders Familie, Adri, Peony und Pearl, bleiben ein wenig auf der Strecke und zeigen kaum mehr Facetten als man von Stiefmutter und -schwesterm Aschenputtels erwarten würde. So ist Adri grausam und ungerecht zu Cinder, gleichzeitg weiß sie aber dass sie ohne die Arbeit ihrer Ziehtochter kaum ihr Leben finanzieren könnte und bemüht sich, das Mädchen stets zu kontrollieren. Die beiden Schwestern kopieren das Verhalten der Mutter, einzig Peony empfindet für Cinder schwesterliche Zuneigung und Freundschaft.

 

Meyer fesselt, nicht nur mit ihren wunderbaren Charakteren, sondern auch mit ihrem Schreibstil. Flott und frech haucht sie ihrer Welt leben ein, und begeistert den Leser auf jeder Seite mehr und mehr. Ihre unkomplizierte Erzählweise macht es leicht der Geschichte zu folgen, die Seiten fliegen nur so dahin.

 

Die von Meyer geschaffene Welt ist voll technisiert, jedoch auch gezeichnet. Nach vier Weltkriegen ist die Angst vor einem erneuten Konflikt groß, und erklärt das Verlangen der Erdbevölkerung alles zu tun um den Frieden mit Luna zu halten. Koste es was es wolle. Doch nicht nur die Angst vor einem Krieg mit den Lunar beschäftigt die Menschen, denn die Krankheit Letumosis stellt eine Bedrohung dar, gegen die niemand etwas tun kann. Ein Virus, unsichtbar und tödlich, der jeden erschaudern lässt und Familien auseinander reißt. Es ist nur verständlich, dass bei der Suche nach einem Heilmittel alle Register gezogen werden, und mehr oder minder Freiwillige zu Versuchskaninchen mutieren.

 

Trotz allem gab es ein paar Kleinigkeiten, die mich gestört haben. Zum einen die etwas farblos bleibenden Familienmitglieder Cinders. Zum anderen die Tatsache, dass ich bereits nach wenigen gelesenen Seiten ahnte, worauf es bei dieser Geschichte wohl hinauslaufen wird, und es der Autorin nicht gelungen ist, mich am Ende doch noch komplett zu überraschen. Und Cinder, so wundervoll sie als Charakter war und ist, erwieß sich in einigen Situation als etwas langsam und schwer von Begriff. Aber diese kleinen Beanstandungen sind minimal und mindern das Lesevergnügen keineswegs.

 

Cinder” begeistert mit einer tollen Ideen und ganz wunderbaren Charakteren. Eine Geschichte voller Humor, Spannung, Gefahr und Intrigen, voller Hoffnung, Verzweiflung und Verrat. Eine Geschichte die von der ersten Seite an fesselt und nicht mehr los lässt. Eine Geschichte, die auch ohne dominante Lovestory funktioniert. Frisch, anderes und definitiv zu empfehlen.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/06/23/rezension-marissa-meyer-cinder-lunar-chronicles-1

Ein absolutes Muss: Zenn Scarlett von Christian Schoon

Zenn Scarlett - Christian Schoon

Der Menschheit ist es gelungen, einer ihrer größten Träume zu erfüllen. Die Besiedelung des Mars. Doch der Planet ist nur teilweise erschlossen, die Bewohner kämpfen um ihr Überleben, nachdem die Erdregierung sich vom Mars losgesagt und eine Handelsblockade über alle noch mit außerirdischen Kreaturen besiedelten Planeten verhängt hat.

Zenn Scarlett ist 17 und lernt hart, um ihren Traum zu erfüllen und ein Exoveterinarian zu werden, ein Tierarzt, der sich auf die Behandlung von exotischen, außerirdischen Lebensformen spezialisiert hat..die meisten davon groß, teilweise gefährlich, und absolut außergewöhnlich. Während ihres ersten Jahres als Novizin in der Exovet-Klinik des Ciscan Klosters begegnet Zenn nicht nur kuriosen Patienten, sondern lernt auch, deren Krankheiten und Verletzungen zu erkennen und zu heilen.

Doch im Kloster häufen sich kleinere und größere Unfälle, die schon bald dazu führen, dass dem Kloster und dadurch auch der Klinik das Aus droht. Denn nicht alle bringen den außerirdischen Lebensformen Begeisterung und Akzeptanz entgegen, und würden nur zu gerne sehen wie die Kreaturen von der Oberfläche des Mars verschwinden.

Nun liegt es an Zenn, den Grund für all die merkwürdigen Begebenheiten herauszufinden, wenn sie ihre Ausbildung weiterführen möchte und die Existenz ihrer Familie bewahren will. Denn diese steht und fällt mit dem Kloster und seiner Klinik. Und so muss Zenn nicht nur ihre erlernten Fähigkeiten auf eine Weise einsetzen, an die sie nicht einmal im Traum gedacht hat, sondern erlebt hautnah wie stark und kraftvoll Einfühlungsvermögen und Mitgefühl sein können.

 

Zenn Scarlett” ist der Debütroman des amerikanischen Autors und Sciene-Fiction-Fans Christian Schoon, der im Mai 2013 bei Strange Chemistry veröffentlicht wird.

 

Mit Zenn, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird, setzt Christian Schoon dem Leser eine Protagonistin vor, die einem vom ersten Moment an sympathisch ist. Sie ist clever, ein bisschen vorlaut, und mit dem Talent gesegnet sich ungewollt in gewisse Situationen hineinzukatapultieren. Und sie liebt außerirdische Kreaturen. Diese Liebe, die ihr buchstäblich in die Wiege gelegt wurde, führte auch dazu, dass Zenn trotz ihres Alters als Novizin für die Ausbildung zum Exovet zugelassen wurde.

 

Unter der Aufsicht ihres Onkel Otha lernt Zenn alles, was sie als Tierarzt für Aliens wissen muss und kommt mit den wundersamsten Kreaturen in Kontakt. Die riesigen Indras mit ihren rot und gold schimmernden Schuppen, die die Sternenschiffe transportieren. Whalehounds, groß wie Heuwagen. Rikkasets, kleine, katzenähnliche Wesen die sich durch Lichtbrechung unsichtbar machen können. Und der Sunkiller, eine zweiköpfige Kreatur mit riesigen Schwingen, auf deren Rücken ganze Städte erbaut werden.

 

Doch neben all der Faszination, die diese Wesen ausüben, so weiß Zenn auch von den Gefahren, die in der Arbeit als Exovet lauern. Denn ihre Mutter verschwand während der Behandlung eines kranken Indras spurlos, und ihr Vater verließ das Kloster kurz darauf.

 

Dies minderte aber Zenn’s Begeisterung für die außerirdischen Kreaturen keineswegs. Eine Begeisterung, eine Liebe und Faszination, die sich tief in Zenn’s Seele gegraben hat.

 

Allerdings stehen die Bewohner des Klosters mit ihrer Akzeptanz den Aliens gegenüber auf einem fast schon verlorenen Posten. Denn die meisten Bewohner der kleinen Stadt nahe der Klinik sehen die seltsamen Tiere als Bedrohung an und wollen sie soll schnell als möglich eliminieren. Zenn selbst ist vor Vorurteilen nicht gefeit und steht den Townern mit gehöriger Skepsis gegenüber, besonders dem Achtzehnjährigen Liam Tucker, der den Bewohnern des Klosters zur Hand geht.

 

Zenn Scarlett” ist alles in allem ein sehr ruhiger Roman, trotz einer gewissen Anzahl an temporeichen Szenen. Dies schadet dem Buch aber nicht im Geringsten, im Gegenteil. Genau diese Mischung macht den Zauber von Christian Schoon’s Debüt aus. So bekommt der Leser hier eine Geschichte voller Liebe zum Detail geboten, mit einer so fantastischen Welt, dass man nach Beenden des Buches wohl gerade einmal einen Bruchteil davon kennengelernt hat.

 

Der Roman erzählt von Vorurteilen und Verschwörungen, von ersehnter Rache und verzweifelten Rettungsversuchen, und davon, dass man kämpfen muss um seine Ziele zu erreichen, gewürzt mit einer gewissen Dramatik. Zenn ist eine wundervolle Protagonistin, mit der man sich nicht nur identifizieren kann, sondern die sofort ans Herz wächst. Und auch Liam schleicht sich ins Herz des Lesers, auch wenn man, genau wie Zenn, dem Stadtjungen noch nicht ganz vertrauen und glauben mag.

 

Christian Schoon schreibt wunderbar einfach, jedoch gelingt es ihm, im Kopf des Lesers ein Bild entstehen zu lassen von einer Welt, die uns so fremd und doch so vertraut ist, voller Wunder, voller Gefahren, voller Abenteuer. Die Geschichte fließt dahin, und verdichtet sich mit der Zeit immer mehr zu einem Strom, dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann.

 

Zenn Scarlett” ist für mich eines der Highlights des Jahres 2013. Ein Young Adult Roman, der ohne eine alles andere überschattende Liebesgeschichte auskommt. Ein Roman, dem es gelingt den Leser auf andere Weise zu fesseln und zu begeistern, mit einer Geschichte voller Fantasie, Drama, Freundschaft und dem Hauch vom großen Abenteuer. Ein Roman, den es sich zu lesen lohnt.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/04/19/rezension-christian-schoon-zenn-scarlett

Interessante Idee und nette Story: S.E.C.R.E.T. von L. Marie Adeline

SECRET 1: Roman - L. Marie Adeline

Cassie Robichaud lebt in New Orleans und arbeitet als Kellnerin im Café Rose. Seit dem Tod ihres Mannes hat sich Cassie nicht mehr für andere Männer interessiert, und ihr Leben scheint nur aus ihrer Arbeit und einsamen Nächten in ihrem kleinen Apartement zu bestehen. Und dem Beobachten der Cafégäste, wobei sie vor allem verliebte Paare insgeheim beneidet.

Als eine Kundin ein Notizbuch im Cafè zurücklässt ahnt Cassie nicht, dass dies der Beginn eines neuen Lebensabschnittes ist. Das Buch, voll von erotischen Fantasien und Erlebnissen, die in einer für Cassie schockierenden Präzession und Genauigkeit verfasst sind, führen sie zu S.E.C.R.E.T., einer im verborgenen agierenden Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen zu helfen ihre geheimsten, wildesten Fantasien auszuleben und ihre Sexualität auf ein neues, höheres Level zu heben.

Als Teilnehmerin des S.E.C.R.E.T.-Programmes findet sich Cassie bald auf einer Reise wieder, die ihr die Türen zu ihren geheimsten Fantasien öffnet; eine Reise, die Cassie’s Leben und sie selbst bald schon von Grund auf verändert.

 

No judgements. No limits. No shame.

 

Bei “S.E.C.R.E.T.” handelt es sich um einen erotischen Roman aus der Feder der kanadischen Autorin L. Marie Adeline, der im Februar 2013 erscheint.

 

Erotische Romane schießen aktuell wie Unkraut aus dem Boden und finden ihren Weg in die Bestsellerlisten. Früher im geheimen und verborgenen gelesen, wird dieses Genre seit dem Medienrummel um “Fifty Shades of Grey” gesellschaftstauglich. Was das nun über die Qualität aussagt, sei dahingestellt.

 

In “S.E.C.R.E.T.” treffen wir auf Cassie Robichaud, 35, Witwe, Kellnerin, Single und hatte vor 5 Jahren zum letzten Mal Sex. An sich ist Cassie ein angenehmer und im Großen und Ganzen auch glaubwürdiger Charakter. Sie heiratete ihre Highschoolliebe, zog mit ihm nach New Orleans, fand Arbeit und war eigentlich glücklich. Bis ihr Mann anfing zu trinken. Von Cassie’s Vergangenheit erfährt der Leser in mehreren kleinen Schritten, und auf diese Weise gelingt es der Autorin, ihrer Protagonistin Leben einzuhauchen. Denn genauso seltsam wie Cassie’s Alltagsleben, bei dem ein Kinobesuch schon als Großereignis zählt, auch klingen mag, so wahrscheinlich und realistisch ist es auch.

 

Der Tod ihres Mannes befreit sie zwar in gewisser Weise, aber nachdem Cassie ihr gesamtes Leben nur einem Mann gewidmet hat, fehlt es ihr an Mut und Selbstvertrauen, sich auf eine neue Beziehung oder ein Abenteuer einzulassen. Sie hält sich für unscheinbar, wenig beachtenswert und erst recht nicht begehrenswert, und zeigt das auch in einigen Aspekten. Selbst die Einladung auf ein Date von ihrem Chef Will lehnt sie ab, obwohl dieser deutliches Interesse an ihr zeigt.

 

Nachdem Cassie von S.E.C.R.E.T. erfährt ändert sich ihr Leben vollständig. Man fühlt, dass Cassie’s Selbstvertrauen, Selbstbild und Selbstwertgefühl sich verändern, und in diesem Fall glaubt man es auch. Die Autorin schafft es, vor allem da sich Cassie’s durchlebte Fantasien auf fast ein Jahr erstrecken, die “Transformation” die die junge Witwe erlebt, nachvollziehbar darzustellen, denn man behält während des Lesen den zeitlichen Aspekt stehts im Hinterkopf.

 

Eben jene erotischen Episoden und Fantasien waren für mich eine Überraschungen. Nicht aufgrund ihrer Orginalität, denn auch hier wird letztendlich nur das S.E.C.R.E.T.-Standardprogramm in unterschiedlichen Variationen geboten, sondern aufgrund der Art und Weise wie Adeline eben jene Szenen beschreibt. Es gelingt ihr ohne die fast schon vulgäre Wortwahl auszukommen, die einem zum Beispiel in Sylvia Day’s “Crossfire“-Reihe begegnet. Dem Leser ist völlig klar, was gerade vonstatten geht, wird aber nicht anhand gewisser Formulierungen sofort wieder abgeschreckt.

 

Das mag nun alles recht positiv klingen, aber es zeigten sich auch Kritikpunkte auf. Die Idee einer geheimen Organisation die Frauen helfen will, die das Vertrauen in ihre sexuelle Energie und Anziehungskraft verloren haben, mag interessant sein, ist aber ein bisschen zu viel, vor allem wenn man die Art und Weise sieht, wie sich S.E.C.R.E.T. im Buch präsentiert. Die erotischen Abenteuer, die Cassie durchlebt, sind zwar schön formuliert und angenehm zu lesen, aber nach der dritten Episode verschwindet die Spannung und Faszination etwas, denn leider wirken die erotischen Abenteuer schon bald eher wie das Abarbeiten einer Strichliste: Cassie wird an einen Ort/in eine Situation geschickt, ein fremder Mann taucht auf der sie fragt ob sie diesen Schritt akzeptiert, er befriedigt sie oder sie haben Sex. Einzig das “Wo” varriert immer wieder etwas.Und obwohl ich immer wieder gerne gelesen habe, was die einzelnen Abenteuer in Cassie verändern, wirkten diese Stellen schon bald wie Lückenfüller zwischen den erotischen Episoden.

 

Ganz besonders gegen Ende übertreibt es die Autorin doch etwas. Die Schwärmerei für einen Millionär scheint ja schon zum Pflichtteil zu gehören, muss aber in meinen Augen nicht immer sein, und die Burlesque-Szene war zuviel des Guten, und wurde nur noch von den Ereignissen auf den letzten Seiten getoppt. Dramatisch, aber eben einfach zu viel.

 

S.E.C.R.E.T.” ist flüssig und angenehm geschrieben und ein nettes Buch für zwischendurch, bei dem der Leser einfach abschalten und genießen kann – wenn man denn über die kleinen Schönheitsfehler und die bald schon einkehrende Eintönigkeit hinwegsehen kann. Ein erotischer Roman mit einer glaubwürdigen Protagonisten mit Persönlichkeit, und definitiv einen Blick wert wenn man sich für dieses Genre erwärmen kann.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/02/05/rezension-l-marie-adeline-s-e-c-r-e-t

Ein ganz besonderes Buch: The Death of Bunny Munro von Nick Cave

The Death of Bunny Munro - Nick Cave

Bunny Munro verkauft Schönheitsprodukte und den kleinen Traum von Hoffnung an einsame Hausfrauen. Doch der plötzliche Tod seiner Frau Libby bringt den Weiberhelden völlig aus dem Konzept. Geplagt von Erinnerungen und dem Verdacht sein Gefühl für die Realität zu verlieren, begibt sich Bunny auf einen seltsamen Roadtrip entlang der Südküste Englands – mit seinem Sohn im Gepäck.

Während Bunny versucht seine Waren und sich selbst “an die Frau” zu bringen, wartet sein neunjähriger Sohn Bunny Junior geduldig im gelben Punto, dessen Enzyklopädie der einzige Freund und Begleiter nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter ist.

Altersschwache Väter, rachsüchtige Geliebte, eifersüchtige Ehemänner und die Geister seiner Vergangenheit lassen Bunny nicht los. Und schon bald muss er einsehen, dass er über kurz oder lang seinen Preis zahlen muss.

 

“[...] the Munro home seems peaceful – no phantoms or ghosts, no clanking of chains, no voices calling from beyond the grave – just a father and his son sleeping, the night hushed and respectful, in a manner fitting a man who will quite soon be dead.”

 

The Death of Bunny Munro” ist der zweite Roman des Musikers Nick Cave, und feierte sein Debüt im September 2009. Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel “Der Tod des Bunny Munro” 2009 in gebundener Form bei Kiepenheuer&Witsch und 2011 als Tachenbuch bei Fischer.

 

Bunny Munro ist ein Schürzenjäger wie er im Buche steht. Er denkt ständig an Frauen, träumt von ihnen wenn er bestimmte Musik hört oder einfach nur mit seinem Punto durch die Straßen fährt. Und obwohl Bunny verheiratet ist, schreckt er nicht davor zurück, mit einer schönen Regelmäßigkeit dem Alkohol zu frönen und Frauen zu verführen. Mit seinem mehr als gesunden Selbstbewusstsein gelingt ihm das auch meist, obwohl er sich seit Jahren auf ein- und dieselbe Masche zu beschränken scheint.

 

Zunächst mag Bunny Munro unsympathisch und egoistisch zu sein, und in einigen vielen Situationen ist er genau das. Doch trotzdem liebt Bunny seinen Sohn. Und seine Frau.

 

Libby Munro, die seit Jahren an Depressionen leidet, kümmert sich um ihren gemeinsamen Sohn während Bunny, wie so oft, nicht zu Hause ist und seiner Lieblingbeschäftigung nachgeht. Ihr plötzlicher Tod wirft sowohl Bunny als auch seinen Sohn komplett aus der Bahn. Es wird deutlich, dass der plötzliche Roadtrip vor allem eine Flucht ist. Eine Flucht vor Erinnerungen, eine Flucht vor der Trauer, und eine Flucht vor Libby’s Geist.

 

Nick Cave schafft es auf faszinierende Weise, dem Leser Einblick in Bunny’s Gefühlswelt zu ermöglichen, und einen unglaublich Ich-bezogenen Menschen, den man zunächst nicht mögen kann und will, plötzlich sympathisch und, in gewisser Weise, auch bemitleidenswert erscheinen zu lassen. So verspürt man nicht nur einmal den Drang, Bunny anzuschreien wenn sein Sohn erwähnt er wird wohl langsam erblinden wenn Bunny nicht dafür Sorge trägt, dass Bunny Junior seine Augentropfen bekommt, und der liebende Vater diesen Einwurf erneut komplett übergeht und ignoriert.

 

Bunny Junior selbst ist wohl die faszinierendste Figur des Buches. Er liebt seinen Vater abgöttisch, verzieht ihm alles, wartet geduldig im Auto und stellt seinen eigenen Bedürfnisse zurück; alles, um seinen Vater die Zeit nach dem Verlust seiner Frau leichter zu machen. Und das, obwohl Bunny Junior seine Mutter ebenfalls vermisst.

 

“It occurs to him that with each tick of the clock the memory of his mother fades, and she slips away. He feels, with a rush of iced wind across his heart, that even by just lying there he is losing her, little by little. He closes his eyes and attempts with reasonable success to ransack his memory and conjure up images from her. He hopes by doing this that he will prevent her from melting away completely. He wants, deep down, to remember her back into existence.”

 

The Death of Bunny Munro” liest sich wie die Lyrics aus Cave’s Feder. Er berührt das Herz des Lesers sowie dessen Verstand, auf die eine oder andere Weise. Ein Roman, der uns eine besondere Vater-Sohn-Beziehung zeigt. Zornig, humorvoll, philosophisch, modern, gespickt mit einem Spritzer Mystery, und einen ganz eigenen Stil, einer eigenen Sprache, mit der man zunächst warm werden muss, die aber letztendlich perfekt für diese Geschichte ist. Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt, das berührt, betrifft und zum Nachdenken anregt. Oder, wie David Peace bereits sagte: “..read it half in stitches, half in tears.”

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/01/25/rezension-nick-cave-the-death-of-bunny-munro-dt-der-tod-des-bunny-munro

Crossfire-Versuchung von Sylvia Day

Versuchung (Crossfire #1) - Sylvia Day

Hinweis: Aufgrund der expliziten Erotik-Szenen empfehle ich das Buch erst ab 18 Jahren.

 

Die Uniabsolventin Eva Tramell ist zusammen mit ihrem besten Freund Cary Taylor gerade nach New York gezogen, um ihren ersten Job bei einer Werbeagentur anzutreten. In der Lobby des Crossfire Buildings läuft sie Gideon Cross über den Weg, dem Inhaber. Sofort fühlt sie sich magisch von ihm angezogen.

Obwohl Gideon ihr unmissverständlich klar macht dass er sie will, sträubt sich Eva zunächst dagegen eine Affäre oder gar Beziehung mit ihm zu beginnen. Denn instinktiv weiß Eva, dass sie von dem attraktiven und dominanten Mann besser die Finger lassen sollte. Doch schon sehr bald gibt sie ihrem inneren Verlangen nach und stürzt in einen Strudel voller Leidenschaft und dunkler Geheimnisse.

 

Bei “Crossfire – Versuchung” handelt es sich um den ersten Teil der erotischen Liebesroman-Trilogie aus der Feder von Sylvia Day, das 2012 auf dem englischen Buchmarkt erschien und nun auch den Weg zu uns gefunden hat.

 

Der Vergleich zum Verkaufsschlager “Fifty Shades of Grey” drängt sich hier zwangsläufig auf. Day erwähnte hierzu, dass es sich bei dem ersten Band der Crossfire-Reihe eher um ein von ihrem eigenen, früheren Roman “Seven Years to Sin” inspiriertes Werk handelt, der Trubel rund um “Fifty Shades” den Verkaufzahlen aber gut getan hat. Weiterhin ist der “von seiner dunklen Vergangenheit gequälte Millionär” seit Jahren in Liebesromanen dieser Art vertreten.

 

Eva Tramell ist eine selbstbewusste und schlagfertige junge Dame, die in der Lage ist ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und auch einmal Nein zu sagen. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte auch erzählt, und so bekommt der Leser hautnah mit, wie sehr Eva von Gideon fasziniert ist, und wie sehr sie sich zunächst äußerlich gegen eine Affäre sträubt, obwohl sie sich eigentlich schon längst entschieden hat.

 

Besonders ihre dunkle und schwere Vergangenheit, ihre “rebellische, selbstzerstörerische Phase”, ihre überfürsorgliche Mutter, die auch gerne mal Eva’s Handy orten lässt sowie ihr reicher Stiefvater, der es ihr zumindest ermöglicht eine Wohnung in Manhattans Upper East Side zu bewohnen, sind die Hauptgründe warum Eva eigentlich keine Beziehung eingehen will, fürchtet sie doch, jeden potentiellen Kandidaten sofort in die Flucht zu schlagen.

 

Auch Gideon wird von einer düsteren Vergangenheit verfolgt, die ihn innerlich gezeichnet hat. Und normalerweise ist der steinreiche Millionär nicht der Typ für Beziehungen..doch als er Eva begegnet ist plötzlich alles anderes. Für sie ist er bereit mit seinen Prinzipien und Bedingungen zu brechen und Kompromisse einzugehen. Trotz allem nennt ihn Eva nicht umsonst heimlich “Mr Dunkel und Gefährlich”.

 

Leider weißt “Crossfire – Versuchung” auch einige kleine Schwächen auf. Der Aufbau der Geschichte verläuft nach dem bereits bekannten Schema F, mit dem man zwar den Nerv des Zielpublikums trifft, aber das auch nicht viel neues und weltbewegendes bietet. So ist es besonders zu Beginn der Geschichte schwer bei der Stange zu bleiben, da sich die Einführung der einzelnen Charaktere etwas in die Länge zieht und vor typischen Standardformulierungen und -abläufen nur so strotzt, ebenso wie das erste Aufeinandertreffen von Eva und Gideon und die sofortige, spürbare Anziehungskraft die zwischen den beiden herrscht.

 

Zusätzlich scheinen die drei wichtigsten Charaktere – Eva Tramell, Gideon Cross und Cary Taylor – alle eine schwere Kindheit gehabt zu haben, eine düstere Vergangenheit also, die sie vor anderen gerne verbergen. Besonders bei Eva finde ich eben jene Vergangenheit und die daraus resultierenden Traumata etwas unglaubwürdig, da sie sich meiner Ansicht nach etwas zu “freizügig” verhält, aber das ist nur mein Eindruck. Alles in allem hat es Day hier mit dem Dramafaktor etwas übertrieben.

 

Die eigentlichen Erotikszenen verlaufen nach keinem bestimmten Muster und sind alle auf ihre Weise speziell und ansprechend. Ein großes Plus ist es hier auch, dass diese Szenen alle frei vom Fremdschämfaktor sind, der einem doch oftmals bei Romanen dieser Art begegnet. Einzig Eva’s Wortwahl um eben jene Szenen zu beschreiben erscheint ein klein wenig unpassend für eine junge Frau, aber das liegt wohl im Ermessen des Lesers.

 

Und obwohl doch Parallelen zu “Fifty Shades of Grey” zu erkennen sind, wie zum Beispiel die Figur des Gideon Cross und deren Hintergrund, oder die Faszination der Figuren für Fahrstühle und deren Möglichkeiten, ist “Crossfire – Versuchung” keineswegs eine Kopie. Allein Eva als Hauptfigur, die sich komplett von Ana Steele unterscheidet, ist um einiges glaubhafter und verleiht der Geschichte einen eigenen Charme.

 

Crossfire – Versuchung” ist ein Muss für alle die Geschichten dieser Art lieben und in meinen Augen um einiges besser als der so oft zum Vergleich herangezogene Bestseller “Fifty Shades“. Sylvia Day schreibt, nach einigen Startschwierigkeiten, flüssig, frisch und simpel, und macht es einem leicht sich von Eva und Gideon begeistern zu lassen. Ein vielversprechender Auftakt zu einer neuen Trilogie, der Lust auf mehr macht.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/01/22/rezension-sylvia-day-crossfire-1-versuchung

Die Lachnummer schlechthin: Fifty Shades of Grey von E.L. James

Fifty Shades of Grey  - E.L. James

Achtung: Aufgrund der expliziten Erotik-Szenen empfehle ich das Buch erst ab 18 Jahren.

 

Anastastia -Ana- Steele ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe und ihren Facetten absolut unerfahren. Doch dann lernt sie während eines Interviwes für ihre Uni-Zeitung den selbstbewussten und unverschämt gutaussehenden Unternehmer Christian Grey kennen. Und eigentlich möchte sie ihn zu schnell wie möglich wieder vergessen, denn ihre Begegnung mit Christian hat Ana mehr als nur verwirrt.

Doch so sehr sich Ana auch bemüht, sie bekommt Christian nicht aus dem Kopf. Und auch Christian gibt zu, dass er die unschuldige Ana will – allerdings zu seinen eigenen Bedingungen.

Geschockt von den sexuellen Vorlieben des Unternehmers zögert Ana. Denn trotz seines beruflichen Erfolges, seines Reichtums und seiner liebenden Familie ist Christian Grey ein Mann mit dunklen Seiten, wird gequält von inneren Dämonen und seiner Vergangenheit.

Christian entführt Ana in eine dunkle und gefährliche Welt der Liebe, voller Leidenschaft und Schmerz, während Ana nicht nur Christian’s Geheimnisse zu lüften versucht, sondern auch ihr eigenes dunkles Verlangen entdeckt…

 

Fifty Shades of Grey” ist der Auftaktband der Fifty Shades Trilogie aus der Feder der britischen Autorin E.L. James (Erika Leonard), die unter dem Namen Snowqueens Icedragon mit dem Schreiben von Fanfiction began, und wurde im Juni 2011 veröffentlicht.

 

Dieses Buch scheint aktuell in aller Munde zu sein, und ob man nun will oder nicht, man kann ihm einfach nicht entkommen. Und irgendwann erreicht man den Punkt, an dem man zumindest einmal einen genaueren Blick auf dieses Werk werfen möchte, allein schon, um mitreden zu können. Das war auch für mich der Hauptgrund, dieses Buch überhaupt zu lesen: Bevor ich lästere, will ich wissen worüber ich mich eigentlich lustig mache.

 

“Mostly he was courteous, formal, slightly stuffy – like he’s old before his time. He doesn’t talk like a man of twentysomething.”

 

Den meisten Lesern dürfte die eigentliche Entstehungsgeschichte von Christian und Ana bekannt sein. E.L. James veröffentlichte “Fifty Shades” zunächst unter dem Titel “Master of the Universe” als Twilight-Fanfiction unter dem Pseudonym Snowqueen’s Icedragon. Nach Diskussionen über den sexuellen Aspekt des Werkes löschte E.L. James die Geschichte und veröffentlichte sie erneut auf ihrer eigenen Webseite. Nachdem immer mehr Leser auf die Geschichte aufmerksam wurden, schrieb E.L. James “Master of the Universe” um (und löschte die Geschichte aus dem Netz), ersetzte Bella und Edward mit Ana und Christian, fügte neues Material hinzu und veröffentlichte letztendlich ihre Fifty Shades Trilogie, zunächst als Ebook und Print-on-Demand, jetzt im großen Stil.

 

Und so erinnern Ana und Christian recht oft an ihre literarischen Vorbilder. Doch der Reihe nach.

 

Anastasia Steele, die eigentlich viel lieber Ana genannt wird (und es schreit förmlich nach Isabella – Bella) ist 21 und Literaturstudentin mit einer Vorliebe für klassiche britische Literatur. Blass, mit braunen Haaren und großen blauen Augen hält sie alle anderen weiblichen Wesen für hübsch, nur nicht sich selbst.

 

Die Figur der Ana ist so vollgepackt mit Klischees, dass es fast schon wehtut. Sie ist unglaublich naiv, hat -obwohl sie doch Literatur studiert- einen eher begrenzten Wortschatz. Und natürlich hat sie keine Ahnung von der Liebe, hatte noch nie einen Freund und ist -man ahnt es schon- noch Jungfrau. Absolute Unerfahrenheit plus Naivität, eine “brilliante” Mischung, wie dieses Zitat deutlich zeigt:

 

“You. Are. Mine,” he says, each word a staccato. “Do you understand?” He’s so earnest.

 

Christian Grey ist mit seinen erst 27 Jahren bereits ein erfolgreicher Unternehmer, CEO von Grey Enterprises Holdings Inc., und mit seinen grauen Augen und dunklen kupferfarbenen Haaren “...the epitome of male’s beauty.” Er ist vom ersten Moment an von Ana fasziniert, seitdem sie in sein Büro gefallen ist, und versucht sie davon zu überzeugen, eine “Beziehung” mit ihm einzugehen…eine Beziehung mit ihm als Dominant, und ihr als devoter und unterwürfiger Gespielin. Nebenbei macht er ihr teure Geschenke – Bücher im Wert von 14.000 Dollar, ein MacBook, ein BlackBerry, ein Auto- zum einen, um sich bei ihr einzuschmeicheln, zum anderen, um sie noch besser verfolgen zu können.

 

Was mir am meisten Kopfschütteln verursacht hat ist die Tatsache, das Ana -die Jungfrau Ana- Christian sofort verfällt und sogar einen Art Einverständniserklärung unterschreibt, nur um mit ihm in die Kiste springen zu dürfen. Mit einem Mann der immer plötzlich dort auftaucht, wo sie gerade ist, der über alle Aspekte ihres Lebens bestimmten will (Schlaf, Essverhalten, Besuche im Schönheitssalon usw.), der ihr Handy orten lässt und ein absoluter Kontrollfreak ist. Und der es sexuell erregend und befriedigend findet sich mit den härteren Gangarten des Liebesspiels zu beschäftigen. Nicht zu vergessen natürlich den mehrmals abgedruckten zehnseitigen Vertrag, der alle Regeln und Pflichten festlegt, die Ana zu erfüllen hat, sollte sie eine “Beziehung” mit Christian eingehen, sowie die eingesetzten Spielzeuge und Praktiken aufzählt, die Christian einzusetzen gedenkt.

 

“I have rules, and I want you to comply with them. They are for your benefit and for my pleasure. If you follow these rules to my satisfaction, I shall reward you. If you don’t, I shall punish you, and you will learn…”

 

Stilistisch bewegt sich “Fifty Shades of Grey” auf dem Niveau einer, höflich ausgedrückt, mittelmäßigen Fanfiction. So tauchen in Ana’s Gedankenwelt viel zu oft die Ausdrücke “oh my...” oder auch “Holy crap/cow/Moses“. Nicht zu vergessen auch Ana’s Subconscious -ihr Unterbewusstsein, das ein bisschen als schlechtes Gewissen fungiert- sowie ihre Inner Goddess, die alles was Christian mit ihr anstellt als absolut fantastisch empfindet.

 

My inner goddess has stopped dancing and is staring, too, open-mouthed and drooling slightly.

 

Weiterhin scheint James gerne Ausdrücke einzubauen, die ihr vielleicht gerade an anderer Stelle über den Weg gelaufen sind, wie zum Beispiel “mighty fine” oder “drinking him in“. Diese verschwinden aber nach einer etwa zwanzigseitigen Daueranwesenheit spurlos.

 

Die eigentlichen Erotikszenen erweisen sich als wenig einfallsreich, den letztendlich ist der Verlauf immer ein- und derselbe. Ana tut irgendetwas, das Christian anziehend findet, wie zum Beispiel das ständige Herumkauen auf ihrer Unterlippe, und die beiden landen im Bett. Oder aber Ana stellt eine Frage die Christian nicht passt, und er bringt sie mit Sex zum Schweigen. Für den Aufbau einer emotionalen Bindung bleibt da wenig Raum, auch wenn Ana sich das noch so sehr wünscht. Letztendlich ist dies eher eine Art Abhängigkeit, denn Ana sucht ja sogar die Schuld bei sich, wenn Christian einen offensichtlichen Fehler gemacht hat.

 

Der Grund, warum ich das Buch überhaupt beendet habe, war, dass es trotz aller Unglaubwürdigkeit, Realitätsferne und stilistischer Mängel ungemein amüsant war. Denn all die eben erwähnten negativen Aspekte tragen dazu bei, an Lachanfällen nahezu zu ersticken während man sich diesem Machwerk widmet. Und obwohl der Schreibstil einem Schauer über den Rücken jagt, und man am liebsten den Kopf gegen die Wand schlagen möchte, habe ich es geschafft bis zum Ende durchzuhalten.

 

Fifty Shades of Grey” erweist sich als Lachnummer, die man einfach nicht ernst nehmen kann. Der gutaussehende, arrogante Kerl, das schöne, unerfahrene Mädchen, eine gehörige Portion dunkler Erotik und eine mögliche Liebe, die selbst die größten Hindernisse überwinden kann – all das sind Argumente, um das Buch zu einem Verkaufsschlager zu machen. Letztendlich erweist sich “Fifty Shades of Grey” als Twilight für Erwachsene. Schlechter Schreibstil, flache, stereotypische und nervig-naive Charaktere sowie ein mehr als flacher Plot, dafür aber 500 Seiten stark.

 

Ein Buch, das ich niemandem empfehlen kann oder will. Allerdings ist gegen das Lesen aus Neugierde nichts einzuwenden.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2012/08/26/rezension-e-l-james-fifty-shades-of-grey-fifty-shades-1-dt-shades-of-grey-geheimes-verlangen

Ein absolutes Highlight: Feed von Mira Grant

Feed - Mira Grant

Im Jahr 2014 geschieht das Unglaubliche. Zwei Viren, eigentlich zur Behandlung von Krebs sowie der gewöhnlichen Erkältung gedacht, verbinden sich zu einem neuen Virus. Unaufhaltsam verbreitet sich die Infektion in der Welt. Millionen Menschen sterben. Und erwachen dank des Virus wieder zum Leben. Wandelnde, seelenlose Körper, deren gesamtes Dasein nur von einem einzigen Ziel getrieben wird: Die Infektion immer weiter zu verbreiten.

 

Fast 26 Jahre später hat “The Rising” alles verändert. Ganze Staaten sind an die Zombies verloren gegangen, und die Bedrohung die vom Kellis-Amberlee Virus ausgeht ist noch immer präsent und hat das Denken und Handeln der Bevölkerung von Grund auf verändert. Denn ob man nun von einem Infizierten gebissen wird oder eines natürlichen Todes stirbt – das im Organismus verankerte Virus führt dazu, dass man als einer von ihnen, den Untoten, den Zombies, zurückkehrt.

 

Georgia Mason und ihrer Bruder Shaun tun das, was sich ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr traut. Sie verlassen ihr Haus und wagen sich vor in die gefährlichsten Gebiete. Und sie berichten darüber. Denn die beiden sind Teil einer neuen Generation von Internetbloggern. Wo Georgia sich ganz klar nur auf Fakten bezieht, ist Shaun ganz der risikofreudige Draufgänger. Eine Mischung, die sie bekannt und beliebt gemacht hat in der Bloggergemeinde. Nicht verwunderlich also, dass sie die Chance bekommen, der Wahlkampftour von Senator Peter Ryman zu folgen und darüber zu berichten. Doch der Weg des eventuell zukünftigen Präsidentschaftskandidaten ist mit Verrat, Anschlägen und Schicksalsschlägen gespickt… und Georgia und Shaun befinden sich inmitten der wohl größten und gefährlichsten Story ihres Lebens.

 

Feed” ist der erste Teil der “Newsflesh“-Trilogie von Mira Grant. Hinter dem Pseudonym steckt die amerikanische Autorin Seanan McGuire, die einigen bereits durch ihre October Daye Reihe bekannt sein wird.

 

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben ist schwer, denn dieses Buch ist so unfassbar genial, dass ich mich mit Lobeshymnen überschlagen könnte, ohne tatsächlich etwas wesentliches auszusagen.

 

Blogger sind die neuen, denn sie sind die wenigen, die sich tatsächlich mit den Untoten auseinander setzen, die live das berichten, was die Medien versuchen zu verschweigen. Wo die staatlichen Medien Regeln zu folgen haben, sind die Blogger frei. Wenn man von den benötigten Genehmigungen für das Betreten gewisser Gebiete absieht.

 

“We’re the all-purpose opiate of the new millenium: We report the news, we make the news and we give you a way to escape when the news becomes too much to handle.”

 

Ruhm ist alles, und selbst der Tod des einzigen leiblichen Sohnes wird vermarktet, um höhere Bewertung für den eigenen Blog zu bekommen.

 

Georgia ist ein Newsie, eine Journalistin, die sich in ihrem Blog “Images May Disturb You” ganz klar auf Tatsachen bezieht, die klar berichtet was geschieht, ohne großartige Ausschmückungen und blumige Formulierungen. Ihr Bruder Shaun hingegen ist ein Irwin, ein Draufgänger, der die Gefahr bewusst sucht und auf seinem Blog “Hail To The King” darüber berichtet, oftmals verbunden mit Videomaterial. Gemeinsam mit Buffy, die eher romantische Geschichten und Gedichte zur aktuellen Situation und den wandelnden Toten schreibt, gründen sie ihren Alpha-Blog “After the End Times”. Ihre Eintrittskarte zur wohl größten Chance ihres Lebens.

 

Die von Grant geschaffenen Charaktere weisen eine Tiefe und Persönlichkeit auf, die mich von der ersten Seite an fasziniert und begeistert. Georgia fungiert hier hauptsächlich als Ich-Erzählerin, und wie es in ihrer Natur liegt, berichtet sie ohne Ausschmückungen, teils sogar recht trocken, jedoch unglaublich fesselnd und mit einer guten Prise Ironie. Und sie wächst ans Herz. Genauso wie ihr Bruder Shaun, der bereits auf der ersten Seite beweist, dass er nicht umsonst Irwin geworden ist, denn ein klein wenig lebensmüde muss man für diese Berufung sein. Und auch Buffy mit ihrer verträumten Art und ihrem Hang für Technologie ist ein Charakter für sich, der nicht etwa nur als Lückenfüller fungiert, sondern ganz klar seinen Teil zur Geschichte beiträgt.

 

Ganz fantastisch sind hierbei die Einblicke in die persönlichen Blogs der Charaktere, die sich am Ende eines jeden Kapitels finden, und die nicht nur der gesamten Geschichte an sich noch mehr Tiefe verleihen, sondern auch den Hauptpersonen noch eine Funken mehr Persönlichkeit einhauchen. Und gerade diese Blogausschnitte haben mir mehr als nur einmal einen Schauer über den Rücken gejagt.

 

Vor dem Hintergrund eines Virus, der die Toten wieder auferstehen und als hungrige Zombies zurückkehren lässt, entfaltet sich hier ein Roman der etwas anderen Art. “Feed” ist keinesfalls ein actiongeladener Zombiethriller, auch wenn die Bedrohung durch die Untoten auf jeder Seite präsent ist. Die Politik spielt hier eine ganz klare Rolle, ist doch die Reise des Präsidentschaftskandidaten Ryman hier Hauptbestandteil der Handlung. Georgia, Shaun und Buffy sollen im Auftrag von Ryman selbst über das berichten, was sie sehen, ob es nun zu seinen Gunsten ist oder nicht. Doch Politik ist mit Risiken verbunden. So treffen Sabotage und diverse Attacken das Team hart und drohen die Kampagne und ihre Teilnehmer zu gefährden.

 

Grants gesamtes Werk ist von Referenzen an die Popkultur durchzogen. So ist Georgia nach George Romero benannt, der nach dem Ausbruch des Virus mit dem von ihm geschaffenen Filmmaterial wie “Night of the Living Dead” und “Dawn of the Dead” ganz ungewollt zum Retter der Menschheit wurde. Die Menschen wussten wie sie gegen die Untoten vorgehen konnten. Zumindest in der Theorie. Jahre nach dem Ausbruch des Virus sind immer noch ganze Gebiete, wie zum Beispiel Alaska oder Santa Cruz, noch immer als Zombie Territorien gekennzeichnet und zum Teil ganz an die Infizierten verloren.

 

Feed” verspricht viel und bietet so viel mehr, wenn man sich darauf einlässt. Ein Buch, das mich von der ersten Seite an fesselte und begeisterte. Mira Grant gelingt es den Leser so tief in ihre Geschichte hineinzuziehen, sodass man mit ihren Charakteren jubelt, weint, lacht und bangt. Ein Sog, dem man sich nicht einziehen kann, und der mich mehr als nur einmal dazu brachte, das Buch vor Verzweiflung fast durch den Raum zu werfen. Ein absolutes Highlight.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/08/19/rezension-mira-grant-feed-newsflesh-1-dt-feed-viruszone

Death, the Devil and the Goldfish von Andrew Buckley

Death, the Devil, and the Goldfish - Andrew Buckley

Detective Nigel Amadeus Reinhardt hat ein Problem. Nicht nur hat er kein sonderlich gutes Händchen bei Frauen, nein, seine Spielsucht kostet ihn auch fast seinen Job nachdem herauskommt, dass er den Helikopter seines Arbeitsgebers auf dem Gewissen hat. Da alles besser ist als Nichtstun und drohende Arbeitslosigkeit, nimmt Nigel einen neuen Fall an und besucht eine verzweifelte ältere Dame, die felsenfest davon überzeugt ist ihre geliebte Katze Fuzzbucket sei auf einmal von Teufel höchstpersönlich besessen. Was gar nicht so unwahrscheinlich ist.

 

Währendessen bekommt der Teufel, von Gott persönlich abgesegnet natürlich, endlich die Erlaubnis eine Woche Urlaub auf der Erde zu machen. Seit dem letzten missglückten Ausflug, bei dem er aus Versehen in der Schlange statt Eva gelandet ist, sind einige Jahre ins Land gegangen, und der Teufel ist mehr als aufgeregt. Doch, wie es oft so ist, nicht alles läuft nach Plan und der Herr der Hölle endet im Körper eines Kätzchens namens Fuzzbucket.

 

Und während der Tod, der Sensenmann persönlich, seinen Job kündigt und auf einmal niemand mehr stirbt, wird Celina McMannis, beteiligte Wissenschaftlerin im Künstliche-Intelligenz-Projekt Santa Claus, gezwungen sich in der Kantine ihrer Firma zu verbarrikadieren, ein Pinguin wechselt den Körper und Jeremiah der Goldfisch scheint seltsame Dinge zu sehen.

Nigel, natürlich, ist bald schon mitten drin. Und der Teufel hat einen Plan. Einen Plan der Weihnachtselfen beinhaltet. Unter anderem.

 

“The Devil tried again. He fixed Cedric with the sort of stare that would make Jack the Ripper whimper like a little girl, give up killing, and open a dental practice.”

 

Death, the Devil and the Goldfish” ist das Debütwerk des aus England stammenden aber in Kanada lebenden Autors Andrew Buckley, und wurde Anfang Dezember 2012 von Curiosity Quills Press veröffentlicht.

 

Allein eine Inhaltsangabe zu schreiben oder einen Hauptcharakter auszuwählen erwies sich bei diesem besonderen Werk als eine gewisse Herausforderung, denn es sind einfach so unglaublich viele Personen und Charaktere vertreten, die alle eine wichtige Rolle spielen. Letztendlich habe ich mich für Nigel entschieden, wohl auch, weil Nigel die Figur ist, die den roten Faden bildet und alle anderen Personen und Handlungsstränge miteinander verbindet.

 

Die gesamte Handlung, so verwirrend sie zunächst auch erscheinen mag, verläuft in einem rasanten Tempo, mit schnellen Szenenwechseln, und springt von Charakter zu Charakter. Mit Hilfe dieser Taktik gelingt es Andrew Buckley, aus dem zunächst chaotisch wirkenden Wirrwarr einen unglaublich gut durchdachten Plot zu formen.

Der trockene britische Humor, und ein wenig auch der Schreibstil des Autors selbst, erinnern in ihrer Art an Douglas Adams und seinen Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, und das durchweg im rein positiven Sinne, und ohne als Kopie der Adams-Werke zu enden.

 

“And so, after a lot of alcohol, provoking by the local townsfolk, and a long conversation with a suspicious-looking cat, Death, The Angel of Death, The Grim Reaper, The Guide to the Afterlife himself, decided that he’d had enough. And right there on the spot, he quit.”

 

Die vielen Charaktere sind liebevoll gestaltet und mit Vergangenheit und Persönlichkeit ausgestattet, die, selbst wenn nicht offensichtlich erwähnt oder nur durch Andeutungen vermittelt, trotzdem deutlich im Verhalten der betreffenden Person spürbar ist. Schnell schließt man als Leser Nigel, Celina, Fuzzbucket, Tod und den Pinguin ins Herz. Und natürlich auch den Goldfisch, der mit seiner recht kurzem Aufmerksamkeitsspanne bei jeder Runde durch sein Goldfischglas ein kleines Schloss im Wasser vorfindet.

Die Geschichte ist rasant, skurril, voller Überraschungen und gespickt mit fantastischen Charakteren. Ich ziehe meinen Hut vor der eigenwilligen Genialität des Autors.

 

Death, the Devil and the Goldfish” sprüht nur so vor britischem Humor, Ideenreichtum und liebenswert-skurrilen Charakteren. Viel mehr gibt es nicht so sagen, ohne den Spaß am Buch zu verderben. Ein absolutes Muss, wenn man den Mut hat sich auf eine zunächst verworrene, aber am Ende absolut brilliante Geschichte einzulassen.

Quelle: http://zwischendenseiten.wordpress.com/2013/01/11/rezension-andrew-buckley-death-the-devil-and-the-goldfish